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Auch Windkraft ist Charaktersache! Ein Kommentar von Wolfgang Henze

21.11.2018Aktuelles
Auch Windkraft ist Charaktersache! Ein Kommentar von Wolfgang Henze

sehestedt.de-Redakteur Wolfgang Henze

Nein, es ist wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig sich als Kommunalpolitiker für die Belange der eigenen Gemeinde und der Mitmenschen einzusetzen.

Von Glück reden darf man aus Sicht der Betroffenen bereits, wenn, wie üblich, sich der allergrößte Teil der Einwohnerschaft um diese Form bürgerschaftlichen Engagements nicht wirklich kümmert und die relevanten Gemeindeangelegenheiten ignorant einfach laufen lässt, weil irgendjemand das „Ding“ mit Kindergarten, Straßensanierung, ÖPNV, Schulbus, Finanzen, Gedenkfeiern oder was auch immer schon regeln wird.

In dieser Befindlichkeitslage werden Gemeindevertreter jedenfalls nicht für vermeindliche Fehler beschimpft oder gar völlig ungerechtigt und unbelegt der Korruption bezichtigt, wie geschehen bei der letzten Einwohnerversammlung in Sehestedt. Da ging es um eine Angelegenheit, die dann irgendwie doch den Nerv einiger Einwohner ins Mark getroffen zu haben schien. Die Landesplanung, Energiewende und Ausweisung von Windkraftflächen sind Angelegenheit der Landesregierung, hat quasi über Nacht eine neue Vorrangfläche zur Windenergienutzung an der nordöstlichen Gemeindegrenze Sehestedts „vom Himmel fallen“ lassen. Darüber war die Verblüffung in der Gemeindevertretung letztlich genauso groß wie die der Einwohner.

Nun stand die Landesregierung zum Beschimpfen bei der Einwohnerversammlung aber nicht zur Verfügung, also musste die aktuelle und ehemalige Gemeindevertretung dran glauben, und selbst der seit vier Jahren laufende Sehestedter Windpark wurden in seinen rechtlichen und physischen Grundfesten in Frage gestellt. Und es kann, sorgfältig vom Kommentator in den vergangenen Jahren beobachtet, gar nicht deutlich genug gesagt werden: Von einer überschaubaren Anzahl Sehestedter, ausserhalb der Gemeindevertretung, mal abgesehen, hat sich allemal keiner von denen die jetzt mögliche zwei neue Windkraftanlagen bekämpfen wollen, in irgendeiner Form im Genehmigungs- oder Bauverfahren des vorhandenen Windparks zu Wort zu Wort gemeldet. Es hat schlicht den Durchschnittsbürger im Ort nicht interessiert, woran übrigens auch die erfolgreiche Umsetzung des Projekts als Bürgerwindpark gescheitert ist, was nun aber ebenfalls als Vorwurf der Unredlichkeit herhalten muss.

Jetzt, nach vier Jahren, hat sich eine, wenngleich zahlenmäßig überschaubare Anzahl Windkraftbetroffener zu Wort gemeldet, die ihrem vermutlich nicht mal völlig ungerechtfertigtem Anliegen durch Vorwürfe von Korruption und Bestechlichkeit in Richtung der Gemeindevertretung und eines renommierten Unternehmens der Windkraftbranche gleich wieder die Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit genommen haben. Eigenes Desinteresse in der Nachschau zum Vorwurf umzudeuten ist schon ein starkes Stück, aber unbelegbare und aus der Luft gegriffene Vorwürfe strafrechtlicher Relevanz öffentlich zu äußern lassen dann doch einen tiefen Blick in die charakterlichen Abgründe einiger Windkraftgegner zu. Bekundungen, dass man natürlich für erneuerbare Energie sei und Atom- und Kohlekraftwerke selbstverständlich ablehnen würde, verhallen dann nur noch ungehört im Wind, dazu bedarf es dann nicht mal des Grundrauschens eines Windkraftwerks an der Gemeindegrenze.